Stau am Galenstock

Stau am Galenstock

Der SE-Sporn am Galenstock war an diesem strahlenden Juli Sonntag fest in der Hand des SAC Pilatus. Nicht weniger als acht Seilschaften krabbelten durch den Schutthang am Fusse des Sporns, um sich in der frühen Morgensonne in die Warteschlange vor der ersten Schlüsselstelle einzureihen. Wer die steile Ecke überwunden hatte, wurde mit 200 Höhenmetern prächtigem Urner Granit im 2. bis 3. Schwierigkeitsgrad belohnt.

Die vordersten drei Seilschaften gehörten zur offiziellen Sektionstour unter der Leitung von Edwin. Der gab mit seinen Mannen, Matthias und Andé, ein flottes Klettertempo vor. In den hinteren beiden Seilschaften hatte jeder seine persönliche Feuertaufe zu bestehen: Sepp bekam auf seine alten Tage einen Eilkurs im Einrichten von Standplätzen und im Seil Verkürzen verpasst; die Schreibende durfte sich als neue Seilschaftsführerin bewähren; und für Roli und Beat war der Galenstock die erste kombinierte Hochtour überhaupt. Alle haben die Kletterei nicht nur geschafft, sondern auch genossen. Wir stiegen den ziemlich ausgeaperten Gipfelhang hoch und stürzten uns ins Getümmel der oben bereits versammelten, internationalen Schar.

Der brüchige Nordgrat, den Edwin für den Abstieg gewählt hatte, verlangte nochmals volle Konzentration. Auf dem gut geheizten Tiefengletscher hingegen konnte man die Seele baumeln lassen, die Sicht auf die prächtigen Granittürme rundum geniessen, den Kamelen beim Bielenhorn droben zuwinken oder nach angeschwemmten Rauchquarzen Ausschau halten.

Unterhalb der Albert Heim Hütte stiess Monika wieder zu uns und begleitete uns in den Tiefenbach, während Edwin und Sepp die Autos holten. Der Tag hörte auf, wie er begonnen hatte: im Stau – diesmal auf der Furkapassstrasse. Edwin, es gibt nicht mehr viele Leiter, die kombinierte Hochtouren anbieten, umso herzlicher ist unser Dank an dich!

(Erschienen in: Pilatus 5 / 2006)