Bunderspitz / Hohtürli

Was ist euch wohl am meisten geblieben von unserer Wanderung? Irene, du warst im Aufstieg zum Bunderspitz fast nicht von den Blumen wegzukriegen. Alle hast du gesehen und mit dem Namen gekannt: nicht nur die Enziane, Stiefmütterchen und Silberwurz, von denen die Wiesen voll waren, sondern auch den selteneren Gletscherhahnenfuss, das Täschelkraut und den unscheinbaren Augentrost. Dem Stefan hat es vor allem der Wasserfall im Gegenanstieg zum Oeschinensee angetan. Immer wieder blieben wir stehen, um ihn mit dir von allen Seiten und in allen Belichtungen zu studieren. Ich werde den Abend am Ufer des Oeschinensees nicht vergessen: Ein sanfter Wind wehte die Klänge meiner Mundharmonika über das Wasser, während die Blüemlisalp in der untergehenden Sonne erst golden, dann rosa und zuletzt purpurfarbig zu leuchten begann und plötzlich erlosch. Edith hat einen halben Film verschossen, um das Blüemlisalp-, Fründen- und Doldenhornmassiv einzufangen, im Morgenlicht, als Spiegelung im See, in der gleissenden Mittagssonne. Und Hans war nicht mehr zu halten, als es hinter dem Hohtürli durch die riesigen Schneefelder hinunterging. In der Griesalp habt ihr alle glückliche Gesichter gehabt; das ist der Lohn für die Tourenleiterin. Es war schön, mit euch unterwegs zu sein.

(Erschienen in: Pilatus 8 / 2000)