Tourenbericht Piz Borel

Tourenbericht frei nach Wilhelm Buschs
Max und Moritz, erster und letzter Streich.

Mancher gibt sich viele Müh
Mit dem Skitouristenvieh;
Einerseits der Freundschaft wegen,
Welche diese Leute pflegen,
Zweitens, weil man dann und wann
Einen Berg besteigen kann.
Drittens aber nimmt man auch
Ihre Autos zum Gebrauch,
Um nach Andermatt zu fahren
Und damit viel Zeit zu sparen.

Edith Dobler voraus schreitet,
Die die ganze Sache leitet,
Fünfzehn Küken war'n dabei
Und das Wetter einwandfrei.
Mann und Frau, die dachten nun:
"Was ist hier jetzt wohl zu tun?"

Ganz geschwinde fähret man
Auf den Gemsstock mit der Bahn.
Hinten runter geht's ein Stück
Durch den Neuschnee wadendick.
Ihre Felle, zwei an Stücken,
Sie dann auf die Skier drücken,
Und erwartungsvoll sie stehn,
Um den Anstieg anzugehn.

Kaum hat dies der Chef gesehn,
Fängt sie auch schon an zu krähn:
"Kikerikii, send er deby?"
Tak, tak, tak, da kommen sie.
Alle sechzehn schlucken munter
Ihren ersten Hang hinunter.
Aber weil die Sonn so heiter,
Wollte keines recht mehr weiter;
In die Kreuz und in die Quer,
setzt man sich zum Znüni her.

Weiter geht's und in die Höh,
Ach herrje, herrjemine!
Ach, sie bleiben an dem langen
Gipfelhang des Borel hangen;
Und der Hang wird lang und länger,
Und ihr Schritt wird lahm und lähmer.
Durch das Couloir man schleicht,
So der Gipfel wird erreicht.

Dieses war der erste Streich,
Doch der zweite folgt sogleich.

Männer, Frauen, freuet euch,
Jetzt kommt euer zweiter Streich!
Doch nun sollten alle munter
Durch das Couloir hinunter.
Seht, schon trägt die Edith dort
Ihren Sack vom Gipfel fort.

Aber kaum dass sie von hinnen,
Fängt der Schnee schon an zu rinnen.
Und verwundert steht und spricht sie:
"Zapperment, da geht es nitzi!"
Hei, da sieht sie voller Freude
Alberts Ski im Schneegestäube.
Rabs, an einem langen Seil
Lässt sie uns hinunter steil.

Doch die gute Laune schwindet,
Denn der Schnee, der ist verwindet.
"He, ihr Leute, he heran!"
Und man schwingt, so gut man kann.
Rickeracke, rickeracke,
Geht es durch das Harschgeknacke.

Hier kann man sie wieder blicken
An der warmen Sonn picknicken.
Voll Genuss verzehren sie
Käse, Brot, ein Gläsli Wy.
Als man dann zu Tale fuhr,
War von Trauer keine Spur.
Chefin Dober sprach: "Juhee!
S' hat ja bis zuunterst Schnee."
"Jajaja", sprach man voll Glück,
"Tragen wär ein starkes Stück!"

Drunten sprach man bei dem Saft:
"Das war wieder fabelhaft!"
Kurz, die ganze Gruppe sang
Voller Freud und Überschwang:
"Vielen Dank, nun da's vorbei,
Edith, für die Leiterei!"

(Erschienen in: Pilatus 3 / 1993)